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Jedes mal, wenn ich den Fernseher einschalte. Jedes mal, wenn Werbung läuft. Jedes mal frage ich mich: Warum? Warum lernt so manche Bank nicht aus der recht jungen Vergangenheit? Warum denkt man, man kann weiter machen wie bisher?

Dass die Banken ihre Kunden für dumm halten, ist seit 2008 kein Geheimnis mehr. Dass sie sich darüber aber noch öffentlich „lustig machen“ und denken, die Menschheit merkt es nicht, ist leider ein Armutszeugnis. Die Commerzbank ist dieser Tage ein blendendes Beispiel für solch eine Unverschämtheit. Mit ihrem Werbespot, der den geldgeilen, egoistischen und dummen Kunden ansprechen will, der aber nach der Wirtschaftskrise selten geworden ist. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Die Banken leider nicht.

Bereits in der Mitte des letzten Jahres hat sich die Commerzbank mit einem Plakatmotiv recht unbeliebt gemacht. Unter dem Motto „Aus Dresdner Bank und Commerzbank wird ein Team“ lächelt uns eine Armee von künstlichen, schmierigen Bankberatern auf dem Plakat entgegen und macht uns eigentlich eher Angst. Einladend ist das ganze nicht. Und menschlich wirkt es auch nicht. Ich mag Photoshop ja auch sehr gern, aber man muss dem Praktikanten auch mal sagen, dass es gut ist. Eine ausführliche Diskussion zum Plakat und dessen Wirkung gibt es im Designtagebuch von Achim Schaffrinna, deswegen möchte ich hier gar nicht näher darauf eingehen.

Worauf ich aber eingehen möchte ist die aktuelle Imagekampagne in Form des TV-Spots.

Wem fällt etwas auf? Richtig: Der Spot erinnert sehr an die Imagekampagne von Ergo, die ich sehr gut fand, die Ähnlichkeit des ersten Spots damals aber schon Aufsehen erregt durch seine Ähnlichkeit mit einem Ausschnitt aus John Cusack’s Film „High Fidelity“. Wäre man böse – oder vielleicht auch ehrlich – könnte man dem Commerzbank-Spot nun vorwerfen, dass er ein Plagiat eines Plagiats ist. Gute Arbeit. Aber bildet euch selbst eine Meinung. Hier der Ergo-Spot im Vergleich mit High Fidelity:

Aber das ist noch nicht mal das Schlimmste am ursprünglich erwähnten Commerzbank-Spot. Das Schlimmste ist die Botschaft, die mehr bewusst als unterbewusst dem Betrachter zugespielt wird: „Ich will mehr…“ Immer und immer wieder höre ich diese drei Worte. Und exakt 11x in 30 Sekunden höre ich das Wort „mehr“. Das sind durchschnittlich alle 2,73 Sekunden. Und einmal darf ich es sogar noch im Unternehmensclaim „Gemeinsam mehr erreichen“ lesen. Das nenne ich eine gelungene Penetration. Die Botschaft kam an: Ich soll egoistisch sein, ich muss mehr aus meiner Kohle machen, ich will auf mehr Märkte, ich will mehr Berater, ich will mehr, mehr, mehr.

Aber Moment: Dieser Wille, ja fast schon diese Sucht nach Mehr … hat uns das nicht in die Wirtschaftskrise geritten. Und wer wollte mehr, mehr, mehr? Richtig: Die Banken!

Und heute, da mehrere europäische Länder auf der Kippe stehen, Amerika im August kurz vor der Staatspleite stand, in dieser Zeit will mir die Commerzbank sagen, dass es immer noch um mehr geht? Verstehe ich da was falsch, oder macht die Commerzbank hier vielleicht etwas falsch? Setzt sie ein Zeichen, das heute nicht angebracht ist? Sollte man nicht den Unternehmensclaim „Gemeinsam mehr erreichen“ nicht eher auf das erste Wort fokussieren? Oder steht das „Gemeinsam“ nur für finanzstarke Kunden, denen das Umfeld egal ist, weil sie schon genug Geld haben? Aber selbst dann, sollte jedem bewusst sein: Wenn wir so weitermachen wie bisher, wenn wir einfach immer nur mehr wollen, dann bleibt am Ende gar nichts mehr. Dann geht es darum, wer die größten Felder und die besten Ernten hat, weil Geld nichts mehr wert ist.

Liebe Commerzbank, besinnt euch bitte auf die wahren Werte im Leben und nicht nur auf monetäre Werte. Ich weiß, dass ihr wirtschaftlich arbeiten müsst. Aber bitte nicht um jeden Preis. Und vor allem nicht um den Preis, das Vertrauen der Kunden und Öffentlichkeit zu verlieren. Das ist keine gute Markenbildung.

Ich will, dass ihr mehr nachdenkt, bevor ihr etwas sagt. Ich will, dass ich mehr Vertrauen in euch haben kann. Ich will, dass ich mich bei euch sicher fühle. Ich will, dass ihr mir das Gefühl gebt, ihr seid fair und keine Egoisten.

Mehr will ich gar nicht.

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