Schlagwörter

, , ,

Auf der Suche nach aktuellen Studien zur Markenbildung & Employer Branding stieß ich heute per Zufall bzw. via Google auf einen Blog-Artikel eines Vertriebsmannes mit „15 Jahren Erfahrung im Vertrieb von Markenprodukten“. Die recht plakative Headline hat mich neugierig auf den Artikel gemacht: „Unternehmen als Marke! Ein einzigartiges Logo wirkt Wunder!“

Gut, erstmal sehr laut, aber noch nachvollziehbar. Im Geiste habe ich mir die Essenz des Artikels schon ausgemalt: Die Logoentwicklung dem Profi überlassen; Design muss den Unternehmenswerten und dem brand core angepasst sein; anständige Analyse des Markenkerns; Abgleich des Designs mit den Unternehmenszielen; et cetera pp.

Im Prinzip fängt der Artikel auch gar nicht schlecht an:

Der Titel sagt eigentlich schon alles. Kunden kaufen aus zwei Gründen. Zum einen, weil Sie in dem Produkt ihren klaren Nutzen erkennen und durch den Kauf des Produktes ein bestimmtes Bedürfnis befriedigen wollen.

Und zum anderen, weil ein Vertrauen zu dem Unternehmen bzw. zum Verkäufer da ist. Vertrauen spielt beim Kauf eine sehr große Rolle. Wenn nicht sogar die Größte.

Große Marken machen es vor. Wer beim Kunden Vertrauen schaffen und aufbauen möchte schafft das viel einfacher, wenn er sein Unternehmen als Marke positioniert. Eine bekannte Marke schafft Vertrauen.

Aber dann wurde ich etwas überrascht und vor den Kopf gestoßen mit folgendem Absatz aus dem Artikel:

Wenn Ihnen nichts geniales einfällt, oder Sie nicht gerade der Zeichnungsprofi sind, gibt es im Internet Webseiten, bei denen Grafiker und Unternehmer zusammengebracht werden. Sie geben da einfach ein Logo in Auftrag und warten ab, was Grafiker und zum Teil auch Studenten für Sie entwerfen. Das Beste nehmen Sie dann! Diesen Service bieten pfiffige Studenten für ein paar Euro an. Das freut das Schwabenherz 😉

BITTE? Hab‘ ich da gerade richtig gelesen?

Unverständnis, Ratlosigkeit, Sprachlosigkeit, Wut. Das waren so ungefähr die Gefühle, die ich dann empfand. Alle auf einmal!

Nochmal das Zitat aus dem Beginn des Artikels:
„Wer beim Kunden Vertrauen schaffen und aufbauen möchte schafft das viel einfacher, wenn er sein Unternehmen als Marke positioniert.“

Zusammengefasst will mir der Artikel also sagen, dass eine Marke, darin besteht, dass sie ein Logo hat, das ich mir von einem Möchtegern-Designer oder Studenten habe machen lassen, der über das Unternehmen nichts weiß? Hauptsache günstig?

HACKT’S, ODER WAS?

Eine richtige Marke, die Vertrauen bei den Kunden, bei den Mitarbeitern, bei der Öffentlichkeit, bei Geldgebern und bei Politik Vertrauen schaffen soll, soll also ein x-beliebiges, austauschbares Logo auf einer Studentenplattform ausschreiben? Und der Hauptgrund ist, weil man Geld spart? Sehr vertrauenswürdig.

Entschuldigung, lieber Blogger, aber du hast da was komplett falsch verstanden. Ein Logo macht noch lange keine Marke. Eine Marke braucht einen Kern, ein Denken, Grundprinzipien und Richtlinien. Eine Marke braucht ein Herz und einen Verstand. Und nicht nur eine Krawatte (soll jetzt mal Symbol für das Logo sein).

Lies dir vielleicht erstmal bei Wikipedia durch, was eine Marke bedeutet und was Markenbildung heißt. Dann, erst dann, solltest du das Wort „Marke“ je wieder in den Mund nehmen.

Der einzige Grund, der diesen Artikel rechtfertigen würde, wäre die Tatsache, dass die von dir angepriesene Website auch dir gehört, auf der man sein Traumlogo entwickeln lassen kann. Oder du hast richtig viel Geld dafür bekommen.

Ich kann nur hoffen, dass Unternehmer, die diesen Blog lesen, exakt diesen Eintrag nicht ernst nehmen und sich lieber an einen Profi wenden, der von Markenbildung eine Ahnung hat. Denn dieser Artikel ist genau ein Grund, warum sich kleine und mittelständische Unternehmen wundern, dass ihre Marke nicht funktioniert …

Unsinn aus dem Internet

Markenbildung? Fehlanzeige! Ein Logo macht noch keine Marke!

Advertisements